Machs guat, Udo
Ein Freund hat uns für immer verlassen
Tief bewegt, bestürzt und betroffen habe ich erfahren, dass Du, lieber Udo, Deinen allzeit von Zuversicht und Optimismus geleiteten Kampf gegen Deine heimtückische Erkrankung verloren hast.
Die Welt verliert einen beispiellosen Menschen, dem es immer gelungen ist, seine Leiden zu verbergen und sich und seinen Freunden Mut zu machen. Wenn ich an Dich denke sehe ich nie jemanden, der sich aufgegeben hat sondern immer einen lachenden, fröhlichen Menschen, der das Leben liebte. Ich sehe vor Tatendrang funkelnde Augen und ein grosses Herz, das nicht kalt und materiell geprägt sondern warm und herzlich seine Gefühle zeigte.
Fünfzehn lange Jahre kannten wir uns und so manches haben wir zusammen erlebt. Darunter auch viele Dinge, die mir selbst mein ganzes Leben lang in Erinnerung bleiben werden.
Wir waren seit unserem ersten Zusammentreffen das, was man heute so leichtfertig als Freund bezeichnet. Ich definiere Freund nicht nach den Regeln von Facebook sondern Freund bedeutet für mich sehr viel mehr. Wahre Freunde hat man nur wenige in seinem Leben. Du warst für mich ein wahrer Freund und ich bin stolz darauf auch Dein Freund gewesen zu sein.
Sogar an meinem Geburtstag hast Du es Dir nicht nehmen lassen, die weite Fahrt zu machen um an meinem Fest teilzunehmen. Ich habe Dir angesehen, welche Strapaze es für Dich gewesen sein muss aber kein Wort der Klage sondern ein strahlender Udo, der mir mit seinem verschmitzten Lächeln und seinen funkelnden Augen gratulierte als wäre er mal eben kurz vorbei gekommen. Das ist es was Dich ausmachte und was ich an Dir so sehr geschätzt habe.
Trotzdem und aller Härte gegen Dich selbst hattest Du ein weiches Herz. Ich habe bei meinem Auftritt an Deinem 60. Geburtstag das erste Mal im Leben und nach mehr als 30 Jahren auf vielen Bühnen bei einem Vortrag geweint und möchte dies hier erzählen um zu verdeutlichen was uns verband:
Viele Jahre, als ich noch in Oberstdorf Musik gemacht habe, kamst Du mich jedes Jahr mindestens einmal in der Dampfbierbrauerei besuchen. Wir beide haben die Brauerei geliebt, meine Arbeit dort war für mich eine grosse Erfüllung und unsere gemeinsamen Abende bei denen wir so manches Dampfbier getrunken haben sind unvergessen. Über die Jahre hatte sich ein kleines Ritual entwickelt, in der Form, dass ich immer am letzten Abend für Dich, Deine Freunde und Deine Familie als letztes Lied "My Way" gespielt habe. Meist standet ihr dabei Arm in Arm vor der Bühne und es war immer sehr sehr schön.
2006 musste ich in der Dampfbierbrauerei leider aufhören, was mir sehr weh getan hat.
Einige Zeit später an Deinem 60. Geburtstag, Du warst schon sehr krank, machte ich für Dich Musik und am Schluss spielte ich wieder für Euch "My Way". Und ihr steht dabei alle wieder vor mir wie damals in Oberstdorf.
In diesem Moment spürte wohl jeder, dass sich das Rad der Zeit nicht zurück drehen lässt und Dinge eben ihren Lauf nehmen, auch wenn es weh tut. Und als ich die erste versteckte Träne über Deine Wange laufen sah, konnte ich nicht mehr weiter singen und musste bitterlich weinen. Ihr kamt zu mir an mein Keyboard und habt mich in die Mitte genommen und ich habe das Lied zu Ende gespielt und gespürt was es heisst, ein Freund zu sein.
Noch heute wo ich diese Zeilen schreibe habe ich Tränen in den Augen so sehr hat mich dies damals bewegt.
Deine Familie hat mich gebeten, zu Deinem Abschied in der Kirche dieses Lied noch einmal für Dich zu singen.
Es war eine schwere Entscheidung, denn ich wusste nicht, ob ich diesen sehr bewegenden Text zu diesem traurigen Anlass wirklich singen kann oder ob meine Stimme wieder versagen würde.
Zur Untermalung hatte ich am Abend zuvor den Soundtrack nochmals eingespielt und als mp3 auf meinem Laptop mitgenommen.
Und zur Sicherheit auch einmal als Vollplayback mit Gesang falls mich der Mut verlassen sollte.
Als die Kirche zu Ende ging begab ich mit mit weichen Knien und einem dicken Kloss im Hals auf die Empore, überprüfte nochmals die Anlage und stand nun vor der Entscheidung.
Playback oder singen.
Ich wählte mit zitternden Händen den Track ohne Gesang und stellt mir mein Mikrofon zurecht.
Der Pfarrer sprach den Segen und blickte zu mir herauf. Ich drückte mit zitternden Fingern auf Play und es war als wollte mir jemand sagen: du musst nicht wenn Du nicht kannst, denn es kam nichts aus den Lautsprechern.
Ich hatte (was mir nie vorher passiert war) vergessen, den Mute Schalter zu lösen und alles war stumm geschaltet.
Ich glaube, Udo hat heimlich drauf gedrückt, als er sah wie schwer es mir fiel das Lied zu singen.
Aber, mein alter Freund, ich hätte es mir ein Leben lang vorgeworfen es nicht wenigstens versucht zu haben!
So habe ich mich kurz gesammelt, den Track auf Anfang gesetzt, tief durchgeatmet, das Mute abgeschaltet und nochmals Play gewählt.
Und jetzt hörte ich mein Piano, wie es leise das Intro spielt, warte meinen Einsatz ab und ich fange, am ganzen Körper zitternd und zutiefst bewegt an zu singen:
And now, the end is near; And so I face the final curtain.
My friend, I'll say it clear, I'll state my case, of which I'm certain.
I've lived a life that's full. I've traveled each and ev'ry highway;
And more, much more than this, I did it my way.
Regrets, I've had a few; But then again, too few to mention.
I did what I had to do and saw it through without exemption.
I planned each charted course; Each careful step along the byway,
But more, much more than this, I did it my way.
Yes, there were times, I'm sure you knew
When I bit off more than I could chew.
But through it all, when there was doubt, I ate it up and spit it out.
I faced it all and I stood tall; And did it my way.
I've loved, I've laughed and cried. I've had my fill; my share of losing.
And now, as tears subside, I find it all so amusing.
To think I did all that; And may I say - not in a shy way,
"Oh No, oh no not me, I did it my way"
For what is a man, what has he got?
If not himself, then he has naught. To say the things he truly feels;
And not the words of one who kneels.
The record shows I took the blows - And did it my way!
Ich weiss nicht, wie ich diese 4 Minuten überstanden habe und hatte jegliches Zeitgefühl verloren.
Am ganzen Körper zitternd hielt ich den letzten Ton und der Nachhall verlor sich in der Unendlichkeit.
Danke Udo, dass Du mir geholfen hast dieses Lied nochmals für Dich zu singen.
Ich weiss Du warst da, denn alleine hätte ich es nicht geschafft!
Machs guat, mein Freund.
Wir sehen uns in der Ewigkeit und dann trinken wir erst mal ein schönes Bier zusammen!
Ingrid, Sabrina, sowie der Familie Gatzweiler sen. und allen Freunden von Udo,
euch wünsche ich jetzt viel Kraft in diesen schweren Stunden.
Denkt daran, er ist uns nur in eine bessere Welt voraus gegangen.
Ich fühle mit euch und bin in Gedanken bei euch.
In tiefer Trauer
Sepp